Nachdem die diesjährige Festivalsaison ja schon vor anderthalb Monaten bei Rock im Park offiziell “eröffnet” wurde, geht sie für mich jetzt so richtig los. Die nächsten (mindestens) 6 Wochenenden werde ich auf Festivals verbringen. Und ich beantrage hiermit Hochsommer bis mindestens Mitte September!
Los ging’s jetzt also beim Happiness-Festival in Schwann bei Straubenhardt in der Nähe von Pforzheim. Wie man merkt, ein eher kleines Örtchen und dementsprechend auch ein kleines, gemütliches Festival. Ich war vor Jahren schon mal dort; damals handelte es sich noch um ein “Umsonst & Draußen”-Festival. Mittlerweile kostet es Eintritt (wobei 22 Euro für ein Festivalticket absolut nicht übertrieben ist) – sonst hat sich aber nichts verändert. Um es gleich vorwegzunehmen: Das ist ein wunderschönes, kleines, familiäres Festival mit guter Stimmung und solider Organisation. Und mit toller Musik!
“Und die Hände gehen hoch wie bei Nazifesten!”
Da ich nicht in journalistischer Funktion unterwegs war, kamen wir an beiden Tagen erst gegen Abend zum Festival, ich kann also nur über die jeweils vier letzten Bands berichten. Am Samstag kamen wir zum Auftritt von Prinz Pi. Ich kenne ihn nur von seiner Kooperation mit Kaizers Orchestra und ein bisschen reinhören vor dem Festival, und ich fand den Auftritt nett. Die Lieder haben sich bei mir zwar nicht wirklich festgesetzt, aber es gab einige echt gute und überraschende Zeilen mittendrin (wie z.B. die oben). Allerdings werde ich solche Rapper, die quasi allein auf der Bühne stehen (Prinz Pi hatte noch einen “Organisten” und einen “Mitrapper” dabei, das war’s aber) und zur Konserve ihre Texte ablassen, wohl nie auf einer Stufe mit einer echten Band sehen können.
Als nächstes waren die Ohrbooten dran; auch die kannte ich gar nicht. Sie waren unterhaltsam, machten noch mehr Stimmung als Prinz Pi, hatten Spaß mit den Gummientchen, die auf die Bühne geworfen wurden, und brachten das Publikum problemlos dazu, “Alle meine Entchen” zu singen. Wunderbar. Sowas (und auch Prinz Pi) würde bei mir erst nachts um drei funktionieren, aber das Publikum war offensichtlich da, um zu feiern. Und zwar auch schon abends um acht. Schöööön! Wenn auch ein kleiner Kulturschock für uns, als die Ohrbooten dann endlich das langerwartete “Autobahn” spielten, alle um uns rum begeistert mitsangen und wir uns anguckten und noch nie auch nur irgendwas von diesem Lied gehört hatten. Oder von der Band. Spaß gemacht hat’s trotzdem, und wie!
Danach dann die Emil Bulls. Die kannte ich nun wiederum zumindest ein bisschen, und auch ihr Auftritt machte Spaß. Das Gelände war zu dem Zeitpunkt auch schon sehr gut gefüllt. Nur das Wetter spielte nicht ganz mit – es blieb zwar zum Glück trocken, aber es war ganz schön kalt. Und das Mitte Juli… pff. Unterhaltsam übrigens auch der Soundcheck von den Emil Bulls, bei dem der Backliner ständig “Check one, check two, check yeeeeaaaaah” ins Mikro rief, was das Publikum abfeierte. So sehr, dass das sogar am nächsten Tag noch DER Festivalruf war. Helga ist also offenbar tot.
Beim Headliner des Abends störte die Kälte dann aber nicht mehr, denn das waren Disco Ensemble. Für mich überhaupt der Grund, zum Festival zu kommen! Und sie lieferten einen gewohnt tollen Auftritt ab, mit relativ langer Spielzeit und guter Setliste. Es wirkte so, als hätten nicht viele der Anwesenden die Band vorher gekannt; und leider war es auch deutlich leerer als bei den Emil Bulls vorher. Aber alle, die da waren, hatten einen Heidenspaß und werden Disco Ensemble ganz sicher in die Liste ihrer Lieblingsbands aufnehmen. Kann gar nicht anders sein, bei so einem energiegeladenen und überzeugenden Auftritt!
“Drei Wörter: Gurke, Paprika, Gulaschkanone!”
Am nächsten Tag kamen wir pünktlich zum Auftritt von Yakuzi aufs Gelände. Oder genauer gesagt zu Kaizers Orchestra, die vorm Yakuzi-Auftritt in der Pausenmusik gespielt wurden. Yeah! Yakuzi waren dann… durchwachsen, leider. Ich kenne sie schon recht lange, fand sie immer total toll, und sie waren der Grund dafür, dass ich an beiden Tagen da war und nicht nur am Freitag. Aber so ganz gezündet hat es diesmal nicht. Zu Beginn gab’s böse Tonprobleme und teilweise gar keine Bläser über die PA. Dann spielten Yakuzi haufenweise neue Lieder, sodass ich schon dachte, ich hätte eine CD verpasst – hab ich aber nicht, die Lieder gibt’s halt nur noch nicht auf Platte. Und zuguterletzt war da noch der (neue?) Gitarrist, der auf der Bühne den Clown und den Liedern einen Funk-Touch gab. Nee, sorry; bei Yakuzi will ich Ska-Punk, keinen Funk. Und den dann bitte gut gespielt. Vielleicht doch eher darauf konzentrieren, die bestehenden Lieder ordentlich vorführen zu können, statt mehr und mehr neue zu schreiben? Klingt jetzt negativ, fühlte sich auch ein bisschen so an, aber: Spätestens bei “One to all” war alles wieder gut, und ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht.
Danach dann die Überraschung des Festivals. Der Name Bakkushan sagte mir zwar ein bisschen was, das Reinhören vorm Festival war vielversprechend, aber was die Band dann auf der Bühne ablieferte, übertraf die Erwartungen bei weitem. Wohoo! Ich mein, allein die erste Ansage à la “Oh, ich muss stimmen, Robert singt für euch jetzt das ABC!”… das sagt alles. Super Musik, Spaß, Selbstironie (“Ich weiß auch nicht mehr, was ich mir dabei gedacht hab, als ich den Refrain geschrieben hab…”), dennoch gute Texte. Und DaDa-Humor; oder welche andere Band würde mittendrin mehrfach in einem 1-Minuten-Lied Dosenfleisch, Gurken, Paprika und Gulaschkanonen besingen? (Nein, die ärzte gelten nicht. *g*)
Ein absolut genialer Auftritt jedenfalls, und wunderbare Laune überall. Und noch ein kleiner Kulturschock, weil die Kiddies die alle kannten und wir keinen Schimmer hatten.
Nun war es Zeit für ein bisschen Pause, denn Turbostaat hatten ihre Sympathien bei mir letztes Jahr beim Helfenstein-Festival verspielt. Zur Ehrenrettung sei berichtet, dass der Sänger auf der Bühne diesmal deutlich netter und freundlicher rüberkam – aber das Festival war ja auch größer und es standen mehr Leute vornedran, da lohnt das dann ja auch, ne? Musikalisch fand ich’s uninteressant, aber insgesamt wurde die Band auch sehr positiv aufgenommen.
Headliner des Abends (und klarer Headliner des ganzen Festivals – am Samstag war es doch SEHR viel voller als am Freitag!) waren dann Sum 41. Auch hier muss ich zugeben, dass ich relativ unvorbereitet ins Konzert ging, mit dem Hintergedanken, dass das so eine Band ist, “von der man eh alles kennt”. Nee, das stimmte definitiv nicht; erst gegen Ende des Konzertes wurden die bekannten Lieder ausgegraben. Vorher war’s musikalisch super, wenn auch nicht allzu abwechslungsreich. Ich persönlich fühlte mich aber sehr in meinen Vorurteilen gegenüber amerikanischen Bands bestätigt: seelenloses Herunterspielen, Professionalität, Unnahbarkeit. Verstärkt wurde das noch dadurch, dass Sum 41 einige Fans auf die Bühne holten – die dann in eine Bühnenecke gesteckt und nicht mal richtig begrüßt oder “gewürdigt” wurden. Sie standen halt das ganze Konzert da oben und konnten von hinten zugucken; was sicher eine tolle Erfahrung ist, aber andererseits macht das doch auch das “normale” Konzert kaputt. Aber nun ja, Amibands halt.
Fazit: Ein tolles musikalisches Programm mit vielen schönen Konzerten und einem Publikum, das einfach ALLES abgefeiert hat. So muss das sein!
Festival 2.0
Noch ein paar Worte zum Festival an sich. Zuerst mal ein großes Lob an die Organisation – alles lief glatt, alle Helfer waren extremst freundlich und gut gelaunt und mit viel Spaß bei der Sache, und es gibt keinerlei Kritikpunkte. Die Parkplätze entlang der Straße sind ein wenig unpraktisch (und vor allem erwartet man bei einem “benutzt die offiziellen Parkflächen” auf den Tickets doch irgendwie was anderes), aber auch das funktionierte ja alles. Traurig dagegen die Tatsache, dass die Polizei dann mit dem Zollstock durchläuft und genauestens überprüft, wieviel Platz zwischen den abgestellten Autos ist… schließlich kam man überall problemlos durch, und da man von zwei Seiten zum Festival hinkam und nur eine Seite als Parkfläche genutzt wurde, handelte es sich auch nicht um einen Rettungsweg. Überhaupt; die Polizeipräsenz war echt extrem. Dazu die Alkoholbannmeile – ich verstehe es einfach nicht. Wenn eine Gruppe Freiwilliger ein solch tolles Festival organisiert und soviel Arbeit reinsteckt, etwas für die Jugend in der Umgebung auf die Beine zu stellen, muss man denen dann wirklich möglichst viele Steine in den Weg legen?
Ach ja, zum Thema Kontrollen fällt mir dann doch noch ein kleiner Negativpunkt ein: Ich wurde nämlich noch nie auf Festivals so gründlich durchsucht (man könnte es auch “betatscht” nennen). Das an sich ist natürlich kein Kritikpunkt; erst in Kombination damit, dass mich nie jemand danach gefragt hat, was ich denn in der Hosentasche habe. Ohrstöpsel und Augentropfen kann man nämlich nicht einfach erfühlen… Und mein Bändchen hat auch nie jemand kontrolliert. Ich vermute ja, dass das Gelände genau deshalb am Samstag so viel voller war als am Freitag.
Das Publikum war insgesamt sehr sehr jung; mit >30 fielen wir doch sehr auf. Aber das war zu erwarten und auch nicht schlimm, und insgesamt empfand ich das Publikum als sehr angenehm. Die Kiddies waren zum Feiern da, alle waren nett und höflich, im Pogopit wurde aufeinander aufgepasst, ich hab keinerlei Streitereien mitbekommen. Alles lief gesittet ab, an den Ständen gab’s zwar Gedrängel, aber kein Gedrücke, fürs Dixie wurde brav in Zweierreihen angestanden, und alle über 25 wurden gesiezt (HEY! *lol*).
Und die Festivalkultur verändert sich offenbar. Wurde früher zwischen den Liedern nur applaudiert, hält heute einfach einer ein Schild mit aufgemaltem Daumen und “gefällt mir!” hoch, und das gesamte Publikum reckt den Daumen in die Luft. Und nächstes Jahr rufen sie vermutlich “+1″. Und solange zusätzlich noch weiter geklatscht und gejubelt wird, sag ich: Das gefällt mir!
Das Mini-Rock-Festival in Horb war in den letzten Jahren ein wunderschönes kleines, teilweise leicht improvisiert wirkendes (was aber absolut positiv zu verstehen ist!) Festival mit einem durchweg tollen, alternativen Line-Up. Für dieses Jahr stand ein Umzug und damit eine Vergrößerung des ganzen Festivals an. Fettes Brot als Headliner am Samstagabend stellten die bisherigen Headliner klar in den Schatten, und das Gelände bot nun bis zu 12.000 Besuchern Platz, statt wie bisher “nur” maximal 8.000.
Eine solche Vergößerung geht ja leider gerne mal nach hinten los, wenn damit der Charme eines Festivals verloren geht oder wenn die Organisation den größeren Aufwand einfach nicht stemmen kann. Im Falle Mini-Rock waren diese Befürchtungen aber zum Glück völlig unbegründet!
Schon der erste Eindruck vom Gelände war äußerst positiv – sehr weiträumig (das Konzertgelände wirkte mindestens doppelt so groß wie beim alten Gelände, und die Campingplätze waren deutlich geräumiger), gleichzeitig aber trotzdem übersichtlich, so dass die Besucher Platz hatten, sich zu verteilen, dass man aber trotzdem von überall eine gute Sicht zur Bühne hatte und sich auch hinten noch “nah dran am Geschehen” fühlte. Der Boden vor der Bühne, der vom Dauerregen vor dem Festival (an beiden Festivaltagen blieb es durchgehend trocken) aufgeweicht war, war großzügig mit Stroh abgedeckt, so dass die Gummistiefel zu Hause bleiben konnten. Und nachdem das Stroh am ersten Abend willkommenes, wenn auch unangenehmes Wurfmaterial war und am zweiten Tag aufgrund des schönen Wetters eh nicht mehr gebraucht wurde, wurde es fein säuberlich wieder aufgesammelt. Lange Warteschlangen gab es weder am Einlass noch an den Essens- und Getränkeständen. Beim Essen war die Auswahl nicht allzu groß – aber es reichte zum sattwerden, und bei einem Festival dieser Größenordnung würde ich eher mit weniger als mit mehr Auswahl rechnen.
An der Organisation gab es also nichts zu bemängeln – wobei ich sagen muss, dass ich weder gezeltet noch auf dem offiziellen Festivalparkplatz geparkt habe, so dass ich zum Camping und zum Shuttlebus nichts sagen kann. Dass eine Parkgebühr von 8 Euro pro PKW nicht gerade gut ankommen würde, war zu erwarten – zumal ja das Festivalticket dieses Jahr fast 20 Euro mehr kostete als noch 2009, und damals war das Parken inklusive. Teurer ist das Festival durch den Umzug also auf jeden Fall geworden – aber es wurde auch deutlich aufgewertet und wirkte deutlich professioneller.
Gleichzeitig war das Festival aber weiterhin typisch “das Mini-Rock”. (Wobei Mini-Rock jetzt eigentlich ein Understatement ist. Aber “Medium-Rock” klingt ja doof, und “Maxi-Rock” wäre zum Glück noch übertrieben. =;-)) Ich kann nicht genau in Worte fassen, wo der Charme des Festivals liegt – teilweise sicher in der Tatsache, dass das Line-Up sehr gemischt ist und sich daher Punk-, Pop-, Hardcore-, Ska- und HipHop-Bands abwechseln. Das bedeutet natürlich auch, dass wohl kaum einer der Zuschauer sich für alle Bands begeistern kann und viele vermutlich auch nur einen Bruchteil der Bands überhaupt kennen. Dementsprechend “geht man halt mal gucken” und lässt sich bei Gefallen von der Musik hinreißen. Gedrängel vor der Bühne gab es höchstens bei den Headlinern, sonst konnte man auch ganz vorne unbedrängt tanzen.
Allerdings – und das ist mein einziger Kritikpunkt am Festival, für den aber die Macher absolut nichts können und der sich auch nicht durch die Vergrößerung ergeben hat, sondern vorher schon ganz genauso war: Ein Großteil des Publikums hat definitiv Koordinationsschwierigkeiten und/oder noch nie etwas von Distanzzonen gehört. Mag jetzt seltsam klingen, und ich nehme auch klar diejenigen aus, die aufgrund von Alkohol/sonstigen Drogen sowieso nicht mehr wissen, wo sie hinlaufen, aber ich habe noch kein anderes Festival erlebt, wo ich so oft und penetrant von Leuten umgerannt/angerempelt wurde wie beim Mini-Rock. Man kann alleine dastehen, rund herum anderthalb Meter Platz, und trotzdem wird man von jedem zweiten, der vorbeikommt, angerempelt, oder ein anderer stellt sich einem direkt vor die Nase. Ich weiß absolut nicht, woran es liegt, dass das für mich gerade fürs Mini-Rock-Festival “typisch” geworden ist – vielleicht einfach daran, dass das Gelände viel Platz bietet und daher nie gerammelt voll ist/war, und da fällt es dann natürlich besonders auf.
Das ist aber durchaus verschmerzbar. Mit der Zeit wird man immer besser im Ausweichen. =;-) Natürlich gab es auch andere Kritikpunkte bezüglich des Publikums – hauptsächlich, dass ständig Dinge Richtung Bühne geworfen wurden. Ob das nun am ersten Abend das Stroh war oder sonst Becher und Schuhe – eigentlich sollte mittlerweile jeder wissen, dass das extrem schlechter Stil ist. Aber sowas hat man nunmal immer. Und genauso gab es die wunderschönen Aspekte eines Festivalpublikums: verträumt tanzende Fans vor der Bühne, bunte Kostümierungen, Begeisterung auch für völlig unbekannte Bands.
Nun aber, nach langer Vorbetrachtung, zum eigentlichen Festivalbericht! An beiden Tagen kam ich leider erst zur zweiten Band aufs Gelände, kann daher also über die ersten Bands nicht berichten – sorry dafür.
Freitag, 6. August
Los ging es am Freitag mit The Jerks. Die Stuttgarter Alternative-Rocker konnten leider nicht allzu viele Zuschauer vor die Bühne locken, obwohl die Musik absolut vielversprechend war. Die Band wirkte sehr routiniert und störte sich auch nicht daran, dass noch nicht allzu viel los war. Die Zuschauer, die da waren, feierten dafür auch richtig, es gab sogar erste Crowdsurfing-Versuche. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass das irgendetwas mit The Jerks zu tun hatte; im Gegenteil, das Publikum schien sich leider eher wenig dafür zu interessieren, was auf der Bühne passierte.
Als nächste Band waren dann Scumbucket an der Reihe. Und im Gegensatz zu den Jerks war hier klar, dass sie Fans im Publikum hatten. Das merkte man nicht nur daran, dass der Altersschnitt im Publikum wie auf der Bühne merklich nach oben ging, sondern hauptsächlich daran, dass begeistert mitgegangen und -gesungen wurde. Auch wenn auch hier das Publikum sehr überschaubar war…
In eigener Sache sie mir noch kurz die Bemerkung erlaubt, dass es für einen Skambankt-Fan (wie mich) total irritierend ist, wenn auf der Bühne eines deutschen Festivals plötzlich “Skamba…cket” angekündigt wird. =;-)
Danach kam dann eine Band, von der ich noch nie auch nur den Namen gehört hatte, nämlich The Black Box Revelation. Offenbar ging das aber nur mir so, denn die beiden Belgier kamen sehr gut an. Nur mit Gitarre und Schlagzeug brachten die beiden das Publikum zum Tanzen und Feiern.
Zum Auftritt von Caliban wurde es auf dem Gelände dann erstmals richtig voll. Da ich mit Hardcore überhaupt gar nichts anfangen kann, kann ich den Auftritt nicht bewerten, aber das Publikum hatte seinen Spaß mit diversen Walls of Death und Circle Pits – und zwar nicht nur vorne vor der Bühne, sondern über das halbe Gelände, was schon eindrucksvoll war, auch wenn man wie ich mit der Musik nichts anfangen konnte. Und dass der Sänger aussah wie Sheamus, nur mit schwarzen Haaren, ist total unsachlich und gehört daher nicht in diesen Bericht. =;-)
Als nächstes spielten Life of Agony, die ich vorab unwissenderweise in eine ähnliche Ecke wie Caliban gesteckt hatte. Damit lag ich aber völlig falsch – die Amerikaner präsentierten melodiösen Metal und eine absolut professionelle Show. Die Musik gefiel mir sehr gut, die Show selbst war allerdings in meinen Augen ein wenig zu professionell – typisch amerikanisch eigentlich. Die Band wirkte ein wenig desinteressiert und schien mir einfach nur ihr Programm herunterzuspielen. Vielleicht hatten sie ein größeres Publikum erwartet, vielleicht sind sie es gewöhnt, dass auch ein Festivalpublikum sie kennt und mitsingen kann – keine Ahnung. Auf jeden Fall spielten sie ihr Konzert und verschwanden schon zehn Minuten zu früh ohne Zugabe. Schade.
Headliner des Abends waren dann The Sounds aus Schweden. Auch hier hatte ich ein wenig das Gefühl, dass die Band mit höheren Erwartungen an das Konzert herangegangen ist. Aber bei einem Festival mit einem solch gemischten Programm wie dem Mini-Rock, wo es außerdem ein großes “Stammpublikum” gibt, kann nunmal auch der Headliner nicht erwarten, dass das Publikum alle Lieder kennt und mitsingen kann. Dass dem nicht so war, schien Frontfrau Maja ein wenig zu irritieren. Die Band schaffte es zwar, das Publikum zu begeistern, aber auch hier wirkte es für mich eher nach professionell heruntergespieltem Konzert als nach Spaß auf der Bühne.
Samstag, 7. August
Der nächste Tag begann dann im strahlenden Sonnenschein mit den Kleinstadthelden. Die vier Jungs aus dem Norden hatten offenbar einige Fans im Publikum, die begeistert mitfeierten – obwohl es zu dieser Uhrzeit noch nicht viele Zuschauer aufs Konzertgelände verschlagen hatte. Die Band verteilte jedenfalls eine “1 plus Sternchen” für das Publikum und versprach, die Zeugnisse nachher am Merchstand auszustellen.
Weiter ging es mit den lokal sehr beliebten Yakuzi, die wie immer ihren eigenen Fanblock dabeihatten. Oder aber den gemeinen Mini-Rock-Zuschauer mittlerweile zum Yakuzi-Fan erzogen haben, was auch nicht weiter verwunderlich wäre. =;-) Im Konzert wussten sie jedenfalls mit ihrer Spielfreude zu überzeugen (wie immer), und auch wenn meiner Meinung nach die Setlist nicht wirklich ideal war (ich fand, dass viele “untypische” Stücke dabei waren – aber es ist schließlich immer noch die Band selbst, die definiert, was “typisch” ist =;-)), kamen sie bestens an, und das Publikum bekam schon früh am Nachmittag genügend Möglichkeit zum Tanzen. Höhepunkt war natürlich wie immer der “Wutbauch”, der im Publikum – auch wie immer – begeistert niedergemetzelt wurde. Die Hymne “One to all” wurde am Ende des Konzertes dann lautstark mitgesungen – noch ein Zeichen dafür, dass das Mini-Rock von einem Haufen Yakuzi-Fans besucht wurde und die Band daher durchaus eine spätere Spielzeit verdient gehabt hätte.
Es folgte The Blackout Argument aus München, die mich sehr stark an Disco Ensemble erinnerten. Allerdings ohne “das gewisse Etwas” – wobei ich den Finger nicht drauf legen konnte, was denn dieses mysteriöse Etwas war. Die Musik klang sehr ähnlich, Sänger Raphael könnte jederzeit als Kopie von Miikka von Disco Ensemble durchgehen, und auch in Energie und Kraft standen sie ihren Vorbildern (wie ich jetzt einfach mal unterstelle =;-)) in nichts nach. Trotzdem waren die Publikumsreaktionen eher mau. Das geforderte Circle Pit war zwar groß, aber von maximal zehn Leuten bevölkert, die dann mal zwei Runden Dauerlauf machten. Hmm… ein durchwachsener Auftritt, warum auch immer.
Danach kam dann für mich die Überraschung des Festivals: Stompin’ Souls. Von dieser schwedischen Band hatte ich noch nie etwas gehört, aber sie überzeugten mich innerhalb weniger Minuten mit ihrem tanzbaren Rock. Bei den (wieder mal recht wenigen) anwesenden Zuschauern schien die Band gar nicht mal so unbekannt zu sein – und insgesamt sehr beliebt. Dementsprechend wirkte die Band beim Konzert auch sehr spielfreudig und hinterließ einen absolut positiven Eindruck. Einzig die Ansagen von Frontmann Thomas waren verbesserungswürdig. “And now we play something different… another song!” Nun ja… =;-) Kann natürlich auch einfach daran gelegen haben, dass er die Ansagen auf Englisch machen musste. Hin und wieder rutschte er dabei auch (versehentlich?) ins Schwedische.
Dass Karamelo Santo dann der erste Headliner des Abends sein würden, war von Anfang an klar und bestätigte sich, als sich der Platz vor der Bühne pünktlich zu ihrem Auftritt füllte. Wie zu erwarten wurde dem Mini-Rock bei immer noch tropischen Temperaturen ordentlich eingeheizt mit argentinischem Skapunk. Mehr braucht man dazu eigentlich nicht schreiben – die Energie auf der Bühne übertrug sich sofort aufs Publikum und es wurde ausgelassen getanzt und gefeiert. Genau so, wie es bei einer Band wie Karamelo Santo sein muss!
Auch Johnossi wurden vom Publikum heiß erwartet. Sobald die beiden (auch hierbei handelte es sich wieder um eine Band bestehend aus “nur” Schlagzeug und Gitarre) auf die Bühne kamen, wurden sie gefeiert und umjubelt – leider nur für wenige Sekunden, denn dann verabschiedete sich die Gitarre von John… was bei einer Zwei-Instrumente-Band natürlich fatal ist. Nach kurzer Unterbrechung schien das Problem behoben – allerdings nur bis zur Hälfte des zweiten Songs, wo die Gitarre wieder den Dienst versagte. Es war mehr als nachvollziehbar, wie sehr sich John darüber ärgerte… die beiden verließen erst einmal die Bühne, und nach fünf Minuten war dann zum Glück auch alles gerichtet. Allerdings hatte es natürlich wertvolle Spielzeit gekostet. Der Rest des Konzertes konnte dann wie geplant ablaufen, allerdings wirkten die beiden ein wenig gereizt, und so ganz konnte der Funke nicht überspringen, auch wenn das Publikum die Songs absolut abfeierte.
Und dann war es Zeit für den Höhepunkt des Festivals: Fettes Brot! Trotz der Verzögerung bei Johnossi und des nicht gerade unaufwendigen Bühnenaufbaus kamen sie fast pünktlich auf die Bühne. Der Platz vor der Bühne war – wie zu erwarten – gut gefüllt, und die Stimmung war bestens. Auch wie zu erwarten wurden natürlich die Hits von allen gefeiert und lauthals mitgegröhlt, während die eher unbekannteren/älteren Stücke eher “interessiert verfolgt” wurden. Kurz gesagt also ein typisches Festivalkonzert. =;-) Fettes Brot waren gut aufgelegt, rissen (natürlich!) diverse Witze zum Thema Minirock, improvisierten lustig vor sich hin und brachten die Highlights ihrer Hallentour. Ein absolut würdiger Abschluss für ein tolles Festival!
Zuguterletzt noch ein kurzes Fazit: Das Mini-Rock hat den Sprung zum “Medium-Rock” definitiv geschafft, ohne dabei an Charme einzubüßen. Die Organisation läuft top und wirkt noch professioneller als bei der kleinen Ausgabe. Ausbaumöglichkeit gäbe es eventuell noch in Form einer zweiten Bühne, so dass zwei Bühnen abwechselnd bespielt werden können und somit die Aufbauzeiten überbrückt werden – allerdings ist dies natürlich noch mal ein großer Schritt, der vielleicht auch gar nicht gewünscht ist. In meinen Augen sollte das Festival erst mal einige Jahre im Ausmaß von diesem Jahr weitermachen und somit dem Publikum die Möglichkeit geben, sich an das veränderte Festival anzupassen. Denn ein wenig wirkt es so, als wäre das Publikum in Gedanken noch beim “alten” Festival, bei dem es mehr ums Festival an sich als um die Bands ging. Jetzt, in dieser Größe, wäre es wünschenswert, wenn sich auch mehr Zuschauer für die Bands interessieren würden und bei den ersten Bands des Tages nicht gähnende Leere vor der Bühne herrschen würde. Denn das ist für die auftretenden Bands natürlich schade – das Programm war durchaus hochwertig, und jede einzelne der Bands hätte ein großes Publikum verdient gehabt. Bei den Headlinern (zu denen ich jetzt jeweils die letzten drei Bands des Tages zähle) war dann alles so, wie es bei einem Festival dieser Größenordnung aussehen muss. Also Daumen hoch fürs Mini-Rock – wir sehen uns nächstes Jahr!
Anfang August steht wieder das Mini-Rock-Festival in Horb an – ein Festival, um das man kaum drumherum kommt, wenn man in der Gegend wohnt. Denn obwohl das Mini-Rock-Festival klar zu den kleineren Festivals gehört, ist das Line-Up doch jedes Jahr spitze. Sicherlich nicht allzu hochkarätig besetzt (das würde sich finanziell wohl kaum lohnen), dafür sind aber immer einige “Perlen” dabei: Bands, die früh gebucht und seitdem bekannter wurden, solche, die eine vielleicht nicht riesige, dafür aber etablierte und treue Fanbasis mitbringen und zusätzlich lokale Bands, die super Stimmung verbreiten.
Ich war 2006 und 2008 für jeweils einen Tag auf dem Festival (Headliner waren damals La Vela Puerca, Disco Ensemble und Madsen). In den anderen Jahren hielten mich nur andere Festivals davon ab, dem Mini Rock einen Besuch abzustatten – denn das Booking war immer ausgezeichnet. Und die Stimmung und Atmosphäre des Festivals ist auch super: Alles ist klein und familiär, kein Gedränge vor der Bühne, dafür ein sehr lockeres und gut gelauntes, feierwütiges Publikum. Also alles genau so, wie man es sich wünscht!
Dieses Jahr könnte alles anders sein – und hoffentlich noch besser! Das Festival ist nämlich umgezogen und findet jetzt auf den Neckarwiesen statt. Der Plan verspricht ein deutlich größeres Gelände. Außerdem gibt es jetzt einen (kostenpflichtigen) Parkplatz mit Shuttlebus (also kein Parken am Schwimmbad mehr ). Das Festival wurde außerdem um einen “Warm-up-Tag” am Donnerstag erweitert.
Und das Line-Up? Mit Fettes Brot hat sich das Mini-Rock-Festival dieses Jahr einen Headliner geangelt, der um einiges größer ist als die bisherigen Headliner. Die anderen Hauptbands, The Sounds, Life Of Agony und Johnossi, sind dann schon eher die “gewohnten” Kaliber. Und auch das restliche Line-Up ist mit Bands wie u.a. Caliban, Karamelo Santo und Yakuzi wieder vom Allerfeinsten. Stellt sich die Frage, inwieweit da Fettes Brot reinpassen – sowohl stilistisch als auch vom vermutlich deutlich größeren Andrang als in anderen Jahren. (Wobei dem Andrang insofern Rechnung getragen wird, als dass es dieses Jahr erstmalig Tagestickets für die einzelnen Tage gibt – statt wie bisher “allgemeine” Tagestickets, die beliebig an einem der beiden Tage verwendet werden konnten -, und dass diese nur an der Tageskasse verkauft werden.)
Ich freue mich sehr darauf, die Brote in Horb zu sehen, und drücke die Daumen, dass die Stimmung des Festivals auf dem neuen Gelände und mit der etwas größeren Ausrichtung so schön bleibt wie bisher. Aber so, wie ich in den vergangenen Jahren Publikum und Verantwortliche erlebt habe, habe ich keine großen Bedenken – sicher wird das Mini Rock auch diesmal wieder ein riesiges Fest!